slack-eyed


sie ist die gute Stimme.
24.3.07 21:27


(in Leingarten wird G-Schmutz angebaut,) ich esse nie wieder Mais.
esse Bioland-Joghurt mit Aldi-Honig und gefärbtes Brot.
warte auf den Tritt am Montag, der das Genick meiner Zukunft zerbricht.
wickle mir Anderer Worte um die Zungen.
verbringe zwölf wahnsinnige Minuten in einem Telefonkabel.
finde Löcher in meiner Schutzkleidung.
ich vertraue auf umstandsbeständige Freundlichkeit von Wesen, die frau Katz und Vogelmensch und TV heißen, mir ist sehr kalt. ich habe schon Frostbeulen an den Wimpern.


wer erwartet das eigentlich alles.
wer erlaubt das eigentlich alles.
wer erfährt das eigentlich.
und wer bist du. du. was haben deine Haare auf meinem Kopf verloren.
24.3.07 21:14


auszüge

Manchmal, manchmal liegen in der Umkleidekabine Leichname herum. Wir stibitzen sie in unbeachteten Augenblicken, reißen ihre Federn heraus und schmücken unsere Nasenbeine damit. Wir bewundern die Ansätze von schwarzen Flecken in ihrer Haut, hin und wieder schneiden wir besonders schön geratene Formen heraus und heften sie in unsere Bücher. Es sind zur Hälfte ungelesene, schwer zu bekommende, eventuell verbotene Bücher; so genau weiß das keiner mehr. Viel Platz ist darin nicht für die Häute, dies ist aber gut so. Wir schämen uns. Wir stehen niemals auf, wenn uns die Glucken zusehen. Wir legen uns niemals hin wenn sie sehend sind, leben von den Seiten ungeliebter Bücher, die wir verschlingen ohne sie zu beachten. Wenn ihr uns anseht, seht ihr nur Ernst und Angst, keine eurer aufgewärmten Gaben, ihr lacht und grinst und kichert und wir verkriechen uns in die hellen Räume oberhalb eures Herrschaftsgebietes, dort ist es weich, wir sind sicher, können uns besser sehen. Wir sind ungeschlacht und zu hart, solange ihr auf uns sitzt. Wenn wir auskühlen, verlieren wir euch. Ihr Gutmenschen-Glucken, etliche von uns treiben ab mit dem Schmelzwasser, was ihnen auf eurem Eis geschah. Ihr wisst das; ihr spürt es, wenn sie euch berühren. Andere halten sich mit Krallen und Zähnen fest, ihr seht ihnen zu, wie sie einbrechen. Ein paar wenige von uns spürt ihr nicht, die, die ihre Wirbelsäule und Oberarme verstecken. Ihr nehmt uns dennoch wahr und schlagt uns entgegen, ein Schlag in kalte Luft; wenn ihr jemanden von uns erwischt, bohren sich seine Ellbogensplitter in eure Wangenknochen.
(Wir sind leise, aber wir werden gehört. Wir sind noch am Wachsen, an der kalten Luft, kennen Zahnstein und Lungenentzündung, aber wir wachsen einfach etwas dicker über diese Stellen.) Wir sind schroffe, neue Bäume. Wir bohren unseren Aussatz in eure Wurzeln.
23.3.07 21:38


das sind alles Stoffe mit Namen, sagst du, nicke ich.

es könnte alles besser sein.
auf der Stirn könnte ich Haare haben, Haare, in die sich die Kinder, die ich zuvor ausbrütete in einem der Ohren, in die sie sich setzten und schaukelten und sie würden andren das Lächeln ins Gesicht schaukeln, wie sie da hängen von meiner Stirn.
es könnte also besser sein.
wir reden.
ich stellte den Embryo in seiner weichen Kugel in das sonnenhellste Zimmer, säße daneben, redete ihm von Lieben und berührte die Kugel, triebe sie den E. zu mir. ich faßte es an, bevor es auswüchse, ich ließe das Desinfektionsmittel im Abwasserrohr stehen. ich drückte die Kugel an meinen Bauch und die leere Brust. du wechseltest sein Wasser jede Stunde. du maltest ihm Linien auf die Kugel, nur für nachts, damit es nicht alleine sei.
wann bin ich dreißig, sage ich.
wir reden über uns Kind. ein neurotisches Hautknäuel, ich kochte ihm nur bunte Sachen, du erzähltest ihm Geschichten vor morgens und mittags und abends von Gaffity. ich lehrte es weiß zu schätzen, du lehrtest es Tauben zu verschicken. du gäbest ihm die alte Schere, ich schnitte ihm die Kleidung zurecht, mit langen Ärmeln. du hieltest es in deiner Hand und ich fotografierte dich. fernab stünden wir und das Kind, ich betrachtete sein Wachsen, du machtest ihm nachtsüber die Musik zum Einschlafen.
wir reden ohne das Kind.
ich werde niemals dreißig, sage ich, ich reiche niemals aus, ich könnte besser sein.
die Haare sind im Wind.



19.3.07 17:11




(ich ziehe Federstreifen herunter aus der Nase und stecke sie in den Mund, sie reißen niemals ab. ziehen, die Zunge darum schlingen, schlucken. schlucken, schlingen, schlucken.)
15.3.07 16:21


ich putze mich täglich, gehe immer zur Arbeit und habe ein wenig Freude dabei, bekomme kein Geld, beachte klebende Alte, trage Bücher in der Tasche, reklamiere, frage nach, rufe an, gehe zum Bewerbungsgespräch, fotografiere in der Sonne, kaufe, esse, erzähle von meinem Tag, gehe aus, trinke genug, lasse die ungefärbten Haare wachsen, sauge Staub, ziehe engere Kleidung an ohne Flecken oder Löcher, fahre Bus, beschwere mich über unnachvollziehbare Preise öffentlicher Verkehrsmittel, schreibe zurück, schließe den Kühlschrank, öffne Briefe mit einem Brieföffner, lege Flyer aus, überweise pünktlich Geld, "kennst du Thomas Brasch?" "nein", spiele nicht, habe die Schreibwarenabteilung in Kaufhäusern gern, stehe auf, trenne den Müll, trage sonntags die Zeitung aus, streue Schnittlauch auf das Frischkäsebrot, kümmere mich, habe keine Angst, greife mit einer undichten Mülltüte in den Abfluss und klappe den Toilettensitz immer danach herunter, lächle, suche Aufkleber für dich, gieße die Walderdbeeren, bleibe wach und kucke Stromberg, schmiere mir weißes Zeug ins Gesicht über das Rot dort, verschicke Post pünktlich, habe noch zwanzig Euro auf dem Konto, benutze Zahnseide, trockne mich aus.
15.3.07 15:19


wie ich auf der Schaukel sitze kleben mir plötzlich die Augenlider fest. ich sitze da und kann sie nicht mehr bewegen, der Kirschbaum blinzelt und starrt, ich sitze und es klebt. ich bekomme sie nicht mehr herunter, der Wind zischt mir in die bloßen Augen, ich sitze fest.
ich höre das Vogelnest wispern, Halme, die ihre Rispen ausräuchern, hier zahlt keiner mehr Miete. ich fiel inzwischen herunter mit den Geschichten am Hals wie ein Schleifstein, schlug mir die Handflächen auf, reiße dem Kirschbaum ein Stück Fell heraus und wickle mich ein. ich gehe mit dem Kopf zur Schaukel gedreht weg, gehe zum Zigarettenautomaten, habe Kleingeld, werfe ungefähr zweihundert Münzen hinein, mein gutes Fell hilft mir, der Automat spuckt alles aus. spuckt mir die Münzen an den Hinterkopf, in the boring Rain, ein behindertes Mädchen fragt nach Notenblättern.
13.3.07 20:56


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